Jan 282007
 

Was passiert, wenn sich elf Deutsche auf eine Reise machen, die Kultur der Franzosen zu erkunden? Ganz richtig, zunächst würde sich die französische Sprache als hartnäckiges Hindernis darstellen. Dass darunter die Kommunikation wirklich gelitten hätte, würde wohl dennoch keiner der elf mitreisenden Deutschen behaupten: Wie hilfreich Hände und Füsse, Bilderwörterbücher, aber auch der eigene Französischunterricht sein können, stellte sich ganz schnell heraus, zumal das Deutsch der Franzosen niemanden wirklich voran brachte.

Aber natürlich fangen hier die Erfahrungen des Austausches und der Kultur Frankreichs eigentlich erst an: In den Familien das “vie quotidienne” erleben: In mediterran anmutenden, kleinen Häuschen in teilweise kleineren Orten als bei uns Stadtteile, Schultagen von morgens bis abends und entsprechend wenig Freizeit, lernt man eine ganz andere Lebensart kennen. Auch das viele, lange und sehr genussbetonte Essen zu Mittag und vor allem abends und das quasi nicht vorhandene Frühstück bedurfte einiger Gewöhnung: Die Bedeutung des Lebens von Gott in Frankreich wurde einem langsam bewusst. Das Privatleben der Franzosen “à la maison” verlassend, erkundeten wir natürlich auch den Markt des malerischen Castelnaudary und genossen den Status eines Staatsgastes im örtlichen Rathaus. Aber wie sich das für Kulturentdecker gehört, waren wir neugierig und begaben uns daher noch tiefer auf die Spuren der Vergangenheit unseres Gastlandes:

In Carcassonne, der beeindruckenden mittelalterlichen Burg begaben wir uns auf die Spuren der Katharer, so manch eine fühlte sich schnell als Burgfräulein, die zwei einzigen Männer hatten aber auch so ihre Freude mit den Schi(e)ssscharten. Noch tiefer, im wahrsten Sinne des Wortes, ging es aber in die „Grottes de Limousis“, einer faszinierenden Tropfsteinhöhle, die schon weit vor Carcassonne auf eine andere Weise beeindruckend Schutz geboten haben muss. Aber auch Toulouse – ohne Burg – dafür aber uns mit Sonnenstrahlen begrüßend, konnte einiges über die Franzosen erzählen: Zwar war die Führung interessant, aber für die meisten war es sicherlich weitaus erfreulicher zu erfahren, dass McDonald’s und schlichtes Shopping auch zum „savoir-vivre des jeunes“ gehören. Diese Erfahrung konnte am Wochenende weiter ausgebaut werden: Das Tagesprogramm wurde von der Gastfamilie gestaltet, abends wurde kräftig gefeiert und dabei noch etwas entdeckt, was neben dem Begrüßungsritual der „bisous“ unbedingt in Deutschland weitergeführt werden soll: Neun SchülerInnen des Goethe als Trendsetter für den „tectronique“. Was das ist, darauf darf man gespannt sein und vielleicht demnächst auf der ein oder anderen Party selbst Bekanntschaft damit machen. Wenn die Franzosen dann im April zu uns kommen, werden sie staunen, wie beeindruckt wir von ihrer Kultur waren.

(S.Weisener)