Jan 212008
 

Drei Tage total ausverkauft! – Super-Show im Goethe-Gymnasium. Immer dann, wenn in Lurups Goethe-Gymnasium wieder einmal eine „Revue“ angekündigt wird, versuchen Kenner der Musikszene im Hamburger Westen, ihre Terminkalender freizuhalten und die begehrten Eintrittstickets zu ergattern. Seit langem weiß man, dass hier etwas Exzeptionelles geboten wird.Und in diesem Jahr haben die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrer Lehrerin und Betreuern eine geradezu perfekte Performance zustande gebracht.

Dabei nimmt die Anzahl der Beteiligten immer mehr fast gigantische Ausmaße an: 85 Mitglieder umfasst allein der Große Chor, dazu kommen der Kammerchor, eine Band und die vielen dienstbaren HelferInnen im Hintergrund, die für die Technik, die Requisiten, die Bühne, die Kostüme und andere wichtige Dienstleistungen sorgen.

Eine solche vielköpfige, vielkehlige und vielbeinige Truppe im Griff zu behalten, und das fast 3 Stunden lang, dieses Kunststück gelang Astrid Demattia und den „Ehemaligen“, Christoph Gottschalch (Dramaturgie) und Andreas Busch (Choreographie), auf beeindruckende Weise: „Der Große Chor des Goethe-Gymnasiums präsentiert…: Freiheit! Das wird schon.“ Darunter konnte man sich zunächst einmal alles Mögliche vorstellen, vielleicht sogar etwas Politisches.

Aber eine mit leichter Hand inszenierte Rahmenhandlung (Christoph Gottschalch) führt die Zuschauer in ein Gefängnis („Santa Lu“), in dem man sich auf eine Jubiläumsveranstaltung und zugleich auf einen Ausbruchsversuch vorbereitet.

Es gibt Seitenhiebe auf den modernen Strafvollzug, auf online-Machenschaften der Sicherheitsbehörden, auf kaum kontrollierte Willkürakte der Vollzugsbeamten, ja selbst eine leibhaftige Justizministerin tritt auf („Frau Dr. Zypzik“), und mehrere eingeflochtene Liebesgeschichten bieten die Gelegenheit, auch schmachtende Gesangssolisten in Szene zu setzen.

In „Santa Lu“ finden Jubiläumsveranstaltung und Ausbruchsversuch stattMick Jagger hätte sich zumindest die Augen gerieben, ganz gewiss aber die Ohren gespitzt,
wenn er erlebt hätte, wie charmant und stimmgewaltig er von Anna Beilner gedoubelt wurde. Chris Paulenz gelang eine hinreißende Elvis-Parodie, und Andreas Busch verlieh mit seinen Jungs der guten, alten YMCA-Hymne neuen, das Publikum mitreißenden Schwung.

Chris Paulenz gelang eine hinreißende Elvis-ParodieNicht minder rissen Martin Westhof und Lars Gloe mit ihren glänzend vorgetragenen Soli das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Im Zentrum aber standen der Große Chor und der Kammerchor. Klassiker der Beach Boys und andere Hits aus den 1960er Jahren konnten das Publikum, junge und alte Anhänger der Pop-Generation, hellauf begeistern.

Anna Beilner doubelt stimmgewaltig Mick JaggerZum Schluss hatten sich die Ideen-Entwickler des Goethe-Gymnasiums noch einen echten „Knaller“ einfallen lassen: Die gesamte Santa-Lu-Besatzung ging nach dem gescheiterten Ausbruchsversuch buchstäblich in Sack und Asche, und trug als Gefangenenchor in Gewändern aus Kartoffelnsäcken gehüllt aus Verdis „Nabucco“ vor und demonstrierte dabei die stimmliche Wucht, zu der dieser Chor in der Lage ist.

Es war aber nur der Auftakt zu einer Performance, die die Rocky-Horror-Picture-Show aus den 70ern wieder auferstehen ließ. Die Bühne verwandelte sich in Sekunden in ein wahres Tollhaus, in dem die Lust an provokanter Kostümierung und an parodistischem Gesang eine überschäumende Stimmung erzeugten.
In der Aula schmolz man dahin.

Santa-Lu-Besatzung

Fast passte es nicht mehr in die ausgelassene Atmosphäre, als den Ensembles von Großem Chor, Kammerchor und der Band vom „Verband deutscher Schulmusiker“ jeweils eine Auszeichnung im Rahmen von „Hamburger Schulen musizieren“ verliehen wurde. Die Vertreterin des Verbandes hob die Professionalität der Revue hervor, und niemand mochte ihr widersprechen, auch nicht der anwesende Herr Bezirksamtsleiter und der zuständige Schulaufsichtsbeamte, die vergnügt mit ihren Fußspitzen gewippt hatten und die es als die Ersten zu Standing Ovations von den Sitzen riss. Mindestens fünf Zugaben erklatschten sich die begeisterten Zuschauer trotz der heißen Temperaturen am Premierenabend.

Trotz deutlich größerer neuer Location in Lurups neuem Kulturtempel am Goethe-Gymnasium – im nächsten Jahr muss es wohl mehr als nur drei Aufführungstermine geben, da alle Veranstaltungen schon Tage vorher bis auf den letzten Platz ausverkauft waren.