Okt 102010
 

Seit Jahren fördern OberstufenschülerInnen des Goethe-Gymnasiums im Rahmen ihres Pädagogikunterrichts die ‚Kleinen’ an unserer Nachbarschule. Die Redaktion freut sich, einen Erfahrungsbericht aus der Schule Langbargheide veröffentlichen zu können.

17 SchülerInnen fördern Erst- und Zweitklässler

Im vergangenen Schuljahr waren wieder 17 SchülerInnen des Goethe-Gymnasiums an der Schule Langbargheide in der Sprachförderung tätig. Die Schülerinnen und Schüler verteilten sich auf die 6 jahrgangsübergreifenden Lerngruppen, in denen Vorschüler und Erst- und Zweitklässler gemeinsam lernen und sie förderten in den dritten und vierten Klassen.

Die Art und die Form der Förderung war sehr unterschiedlich und hing von den Bedürfnissen der zu fördernden Kinder ab. Um das Spektrum der Arbeit zu veranschaulichen, können hier zwei Beispiele kurz skizziert werden.

Genaues Hören ist wichtig für die Aussprache

In der damaligen Frösche-Gruppe förderte ein Goethe-Schüler ein kleines Mädchen mit sehr geringen deutschen Sprachkenntnissen. Dies wurde im Nebenraum durchgeführt, damit sich das Mädchen ganz auf das Hören der Laute und die Aussprache der deutschen Wörter konzentrieren konnte. Das genaue Hören und die korrekte Aussprache der deutschen Wörter sind eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Alphabetisierung der Kinder. Im Klassenverband zusammen mit den anderen Kindern hätte der Prozess des Vertrautwerdens mit dem Klangbild der deutschen Sprache erheblich länger gedauert. Durch das regelmäßige Training einmal pro Woche war es ihr schneller möglich, mit den anderen zusammen im Erstlese- und Schreibunterricht mitzuarbeiten und erfolgreicher die ersten Schritte in der Schriftsprache zu gehen.

Individuell Einzelbetreuung verhilft zu großen Fortschritten

In einem damaligen vierten Schuljahr wurde von einer Goethe-Schülerin ein russischer Junge betreut, der erst seit 9 Monaten in Deutschland war. Er hatte ein halbes Jahr in einer Vorbereitungsklasse verbracht und war jetzt mit sehr geringen Deutschkenntnissen und als fast Analphabet in die vierte Klasse gekommen. Es stellte sich heraus, dass dieser Junge in Russland in einem Militärkamp gelebt hatte und in den Wintermonaten keine Schule besuchen konnte. Er konnte also auch in Russisch kaum lesen und schreiben. Es zeigte sich aber, dass er über eine schnelle Auffassungsgabe verfügte und lernen wollte. Er brauchte natürlich anfangs zusätzliche Unterstützung. Diese wurde ihm regelmäßig wöchentlich durch das Pädagogik-Projekt  zuteil. Eine sehr einfühlsame Goethe-Schülerin hat mit ihm gearbeitet und ihn vor allem beim Schreiben von eigenen Texten unterstützt. Er hat so in sehr kurzer Zeit große Fortschritte gemacht und kann jetzt in der 5. Klasse recht problemlos mit den anderen Kindern mitarbeiten.

Sprachförderung – Ein Schlüssel für erfolgreiche Integration

In unserem Einzugsgebiet in Lurup handelt es sich bei der Sprachförderarbeit oft um eine Arbeit mit Kindern mit einem Migrationshintergrund. Die Sprachdefizite in der deutschen Sprache hindern unsere Kinder und Jugendlichen oft daran, ihre Potentiale auszuschöpfen und so zu besseren schulischen Leistungen zu kommen. Die Sprachförderung ist also ein Schlüssel zu einer erfolgreicheren Integration der Kinder und damit zu einer erfolgreichen Schul- und Lebenskarriere in unserem Land. Bei dieser Arbeit haben uns die SchülerInnen des Pädagogik-Projektes unterstützt und einen wertvollen Beitrag geleistet.

(G. Eichberg, Schule Langbargheide)