Okt 122010
 

...in der Wiener StaatsoperMüde und verschlafen trafen wir – 23 SchülerInnen des Kunst-/Musikprofils sowie unsere Lehrerinnen – morgens um 4:30 Uhr am Hamburger Flughafen ein, um uns kurz darauf von unseren Liebsten zu verabschieden und erwartungsfroh in Richtung Wien abzuheben.

Wiener Speisekarten verstehen – eine Kunst für sich

Unterwegs wurden wir wahlweise mit Muffins oder Brezeln versorgt, so dass wir gegen 7:30 Uhr einigermaßen gestärkt in Wien landeten. Bei einer kleinen Führung mit Frau Demattia erhielten wir schon die ersten Eindrücke von der Oper, dem Heldenplatz, der Hofburg und der spanischen Hofreitschule. Schließlich endete unser Rundgang beim Stephansdom, dem Wahrzeichen von Wien. Nach zwei Stunden Freizeit und dem Beziehen unserer Hotelzimmer gab es ein gemeinsames Abendessen in dem original böhmischen Restaurant „Zum Nordpol“. Mit Unterstützung von Herrn und Frau Demattia konnten wir schon bald die Wiener Speisekarte verstehen und uns etwas Leckeres aussuchen. Zufrieden teilte sich die Gruppe anschließend auf und ging entweder zum Prater, um Riesenrad zu fahren, oder ins Bett. Immerhin waren wir schon seit morgens um 3 Uhr auf den Beinen.

Schönbrunn,Schönberg-Center und Jam-Session

Der nächste Tag in Wien begann mit herrlichem Wetter. Nach dem 4-Sterne-Frühstück im Hotel machten wir uns auf den Weg ins Arnold-Schönberg-Center. Nach einer informativen Einführung zeigte uns der Archivar originale Skizzen des Komponisten. Dann hatten wir Zeit, leider frierend (die Klimaanlage war defekt und lief daher auf Hochtouren!), in der Ausstellung zu stöbern, uns Dokumente, Bilder aus Schönbergs Privatleben, einige seiner kleinen Erfindungen und kurze Filme anzuschauen. Viele von uns waren begeistert, dass man sich alle Stücke Schönbergs direkt dort anhören konnte, wobei auch einige alte Erinnerungen an ein Unterrichtsprojekt aus der 10. Klasse wieder hochkamen. Das Schönbergcenter war auf jeden Fall ein guter Einstieg in die Komponistengedenkstätten. Anschließend trafen wir uns mit den Künstlern im Park von Schloss Schönbrunn, stiegen gemeinsam aus die Gloriette und genossen den wunderschönen Ausblick über die Parkanlage, das Schloss und das Stadtpanorama. Zum Ausklang des Tages besuchten wir das Jazzlokal „Tunnel“, in dem eine Jam-Session stattfand.

Blattgold wohin das Auge reicht

Am Dienstagmorgen ging es mit U-Bahn, Bim (die Wiener Straßenbahn) und Bus zu unserer ersten Besichtigung, der Kirche am Steinhof von dem berühmten Architekten Otto Wagner, die auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik von Wien liegt. In der Führung erfuhren wir etwas über die Architektur der gesamten Anlage, die im Jugendstil erbaut wurde. Dann gingen wir über das Gelände hinauf zur Kirche. Diese ist von außen sowie von innen reich mit Blattgold verziert und erscheint unglaublich prunkvoll. Neben der interessanten Führung, bekamen wir noch genügend Zeit, uns die vielen Details im Inneren der Kirche ganz in Ruhe anzuschauen.

Unsere zweite Station an diesem Tag war das Wien-Museum. Dort wurden wir über die Anfänge und die Entwicklung der Stadt Wien informiert. Anschließend teilte die Gruppe sich auf, und wir Musiker gingen zusammen mit einigen Künstlern zum „Gasthaus Rheintaler“, um dort unser erstes originales Wiener Schnitzel zu verspeisen. Es war echt super lecker! Für den Rest des Tages hatten wir Freizeit, die viele von uns zum Shoppen in der Mariahilfer Straße nutzten.

Mozart und Museen

Nach einer kurzen Lagebesprechung am Mittwochmorgen marschierten wir  bei Regenwetter los zum Mozarthaus. Leider war dieses mehr ein Museum und weniger persönlich als das Schönberg-Center. Trotzdem waren alle froh, endlich im Trockenen zu sein und schauten uns in dem Haus, in dem Mozart 2 ½ Jahre lang gewohnt hat, um. Nach einem Besuch im Musikinstrumentenmuseum und einer kurzen Essenpause trafen wir uns am Nachmittag hübsch gemacht und herausgeputzt vor dem Hotel wieder und fuhren gemeinsam zur Oper.

Der Donnerstag begann mit einem Besuch im Kunsthistorischen Museum. Zwar stellt dies keine musikalische Sehenswürdigkeit Wiens dar, trotzdem waren viele von uns Musikern von einer der reichsten und bedeutendsten Kunstsammlung der Welt sichtlich begeistert. Nachdem wir zusammen einige „Highlights“ der Gemäldegalerie von Künstlern wie Vermeer, Rembrandt, Rubens oder Dürer angesehen hatten, teilten wir uns auf und ließen uns mit Hilfe der bequemen Sofas von den vielen Gemälden verzaubern. Anschließend brauchten wir erst mal eine Stärkung und gingen deshalb in das traditionelle Beisl (Wirtshaus) „Zu den zwei Lieserln“, in dem – so konnten wir es in ausgestellten Zeitungsberichten nachlesen – auch manchmal der Bürgermeister Wiens zu Mittag isst.

Ein Tag mit Haydn

Auf das Essen folgte ein Besuch des Haydn-Hauses. Natürlich ist das „Haydnhaus“ in Wien nicht das einzige Haus, in dem der Begründer der Wiener Klassik gelebt hat, aber er verbrachte dort seine letzten zwölf Lebensjahre bis zu seinem Tode 1809. Die Ausstellung beinhaltet einige originale Notentexte, Bilder und Hörbeispiele berühmter Kompositionen. Sehr positiv fiel eine Wand auf, an der detailliert der Tagesablauf des Komponisten dargestellt wurde. So erfuhr man zum Beispiel, dass Haydn sehr wenig geschlafen hat, jede Nacht ein Nachtessen zu sich nahm und  sich jeden Vormittag für die Entfaltung seines Künstlergeistes  frei gehalten hat.  Je mehr wir uns in die Texte und Zitate wie „Die Phantasie spielt mich als wäre ich ein Klavier“ oder  „…wie süß schmeckt doch eine gewisse Freiheit“, die groß und gut leserlich an den Altbauwänden stehen, hineingelesen hatten, desto sympathischer wurde uns Joseph Haydn. Zügig ging es vom Haydn-Haus dann zum „Frischmachen“ ins Hotel und anschließend zum zweiten Mal in die Oper.

Gräber der Großen Musiker

Auch Freitag war vollgepackt mit spannenden Unternehmungen. Nach dem Frühstück ging es los zum Zentralfriedhof, auf den wir uns alle sehr freuten. Wir standen vor den Gräbern der großen Musiker wie Beethoven, Brahms, Schubert, Strauss und Schönberg und schauten uns auch den Alten Jüdischen Friedhof an. Dort sahen wir all die Gräber, die aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg stammen. Nur ganz wenige Menschen wurden noch Anfang des Krieges dort begraben. Einige haben nur einen Davidstern auf ihrem Grabstein und alle Gräber sind mit Efeu zugewachsen und teilweise schon ziemlich zerfallen, was uns sehr bewegte. Vom Zentralfriedhof fuhren wir mit der Bim zum Schloss Belvedere, wo wir durch den Schlossgarten spazierten und das Schloss von außen betrachteten. Nach einer kleinen Pause trafen wir uns alle im Café Griensteidl am Michaelerplatz direkt an der Hofburg wieder. Dort schauten wir uns die Kaiserappartements und das Sissi-Museum an, wodurch wir ein ganz neues und umfassenderes Bild der Kaiserin erhielten. Anschließend ging es zum Geburtshaus Franz Schuberts. Dort sangen wir nach der Besichtigung zur Freude der Museumswärterin gemeinsam auf dem Balkon mit Blick in den kleinen Innenhof einen Kanon.

Mit einem Besuch des Naschmarktes und des Flohmarktes endete am Samstag unsere Reise nach Wien. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir eine schöne Zeit in Wien hatten und viele Eindrücke mit nach Hause nehmen konnten.

(Aus Tagebucheinträgen zusammengestellt von Lisanne Vernunft, S 3, gekürzt durch die Redaktion))