Dez 092010
 

Drei Abende in der Auferstehungskirche und im Michel.Sogar das Wetter war schon in vorweihnachtlicher Stimmung. Die Welt draußen zog sich leise rieselnd eine kalte, aber wunderschön anzusehende weiße Decke über den Kopf und ließ selbst den Autoverkehr adventlich innehalten. 

Drinnen in der Luruper Auferstehungskirche mussten jetzt nur noch die knapp zweihundert Sänger und Instrumentalisten mit ihren musikalischen Beiträgen für ein rundum gelungenes Weihnachtskonzert des Goethe-Gymnasiums sorgen. Das taten sie dann auch. Und wie sie das taten, mit dieser alle Jahre wieder beglückenden Mischung aus Begeisterung und Hingabe, Leidenschaft und Können, die derart ansteckend wirkt, dass die Zuhörer die jungen Künstler am Ende nur äußerst ungern vom Podium abtreten lassen! 

Der KinderchorOb einstimmiger, in festlich-schlichtem Ton gehaltener Kinderchor, oder von acht jungen Damen mit hinreißend souligem Nachdruck vorgetragener popmusikalischer Weihnachtswunsch, oder schließlich das von Großem Chor und Orchester mit Gänsehautwirkung machtvoll intonierte Halleluja aus Händels MESSIAS – das abwechslungsreiche Programm ließ nicht nur keine Wünsche offen, es demonstrierte einmal mehr, welch ungewöhnlich hohes Niveau die musikalische Arbeit am Goethe-Gymnasium inzwischen erreicht hat. Auswärtige Besucher staunten auch diesmal wieder über Musikalität, Präzision und Homogenität der Musik-Ensembles aus unserem Luruper Gymnasium.

Der Zauber des Magnum Mysterium, das der bestens disponierte Kammerchor mit viel Gespür für musikalischen Farbenreichtum beschwor, der Zauber dieses großen Geheimnisses also zieht aller Konsumorientierung zum Trotz stets aufs Neue Gläubige wie Ungläubige, Weihnachtsliebhaber wie Festtagsmuffel in seinen Bann. „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ – der Wirkung dieser vom Unterstufenchor unter Leitung von Sylvia Achs sehr lebendig gesungenen Verheißung konnte sich auch diesmal niemand entziehen, wie oft man sie auch schon gehört haben mag. Und dass die Fünft- und Sechstklässler auch ein plattdeutsches Weihnachtslied zum Besten gaben, wird sicher nicht nur bei ihren Großeltern liebe Erinnerungen geweckt haben.

Es gab aber auch sehr hübsche „Exoten“ im Programm: die Peregrinación, d. h. Pilgerfahrt einer Bläsergruppe, geleitet von Yasmin Müller und rhythmisch akzentuiert von Christian Vogts auf einem Cajón; ein schottisches Rorate coeli für sechs Klarinetten; aber auch ein weihnachtliches Wiegenlied in galizischer Sprache, Da rosa rosiña, vom Vokalensemble Ilow sehr zart interpretiert.

Nicht minder eindrucksvoll das von Astrid Demattia glänzend vorbereitete und überaus spielfreudige Orchester, das zur großen Freude der Zuhörer zwar (noch) nicht zu Symphonieorchesterstärke, wohl aber zu vollständiger Instrumentalbesetzung eines klassischen Orchesters herangewachsen ist. Hören und genießen konnte man diese neu gewonnene Klangpracht in Händels Joy To The World wie dann beim Höhepunkt des Konzertes, dem Auftritt des stimmgewaltigen, aber dennoch subtil phrasierenden Großen Chores, dem das Orchester bei der Weihnachtshymnne von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie bei drei Chören aus Händels MESSIAS musikalisch wunderbar zuarbeitete. Die Krönung dieser mit viel Harmonie praktizierten Zusammenarbeit war die Gestaltung der Musikalischen Vesperandacht in der Hauptkirche Sankt Michaelis am zweiten Advent.

Und auch die beiden begabten Geigerinnen Philine Siersleben und Kristin Lange waren bei Vivaldis Konzert a-Moll für zwei Violinen, Streicher und basso continuo in guter Orchesterbegleitung. Wenn diese deutlich hörbar gewordene musikalische Bildung auf diesem Niveau fortgeführt werden kann, ist der Untergang des Abendlandes bis auf weiteres aufgeschoben.