Dez 052012
 

Das kann Mathematik sein: Zufriedenheit, Freude & Spaß»5 – 4 – 3 – 2 – 1 …. Los, Torben, jetzt gib endlich die richtige Lösung ein – es ist die 34!«

Es ist Freitagnacht, der 23.11.2012, 23:28 Uhr. Fast alle der 97 Schüler haben sich im Computerraum des Goethe-Gymnasiums versammelt, um dabei zu sein, wenn der erste Jahrgang der Schule – die Unterstufe – die zweite Runde der langen Nacht der Mathematik erreicht. 48 Schüler/innen der Klassen 5 und 6 haben die letzten fünf Stunden geknobelt, gerechnet, geschwitzt – immer wieder lagen sie bei einem von 10 Ergebnissen daneben. Bei jeder Falscheingabe wurde der Jahrgang 10 Minuten gesperrt. 10 Minuten, die sich für die Schüler jedes Mal wie eine Stunde anfühlten.

Aber jetzt: Die 34 muss es einfach sein!
Torben  aus der 6c tippt die 34 ein. »Soll ich senden?« Es wird gedrängelt, vom Tisch hinter ihm tönt es einstimmig: Ja!
Torben sendet, es erscheint ein grüner Button: »Glückwunsch, ihr seid in Runde 2«.  Ein wildes Jubelgeschrei macht sich im Raum breit! »Wir sind weiter!« Eine Stimmung wie nach dem Siegtor der Nationalmannschaft.

Aber wer denkt, jetzt sei erst einmal Pause und Durchpusten angesagt, der hat sich getäuscht. Sofort werden die neuen Aufgaben ausgedruckt und verteilt. Weiter geht’s!

Und die anderen Stufen nehmen die Herausforderung der Unterstufe an und wollen nun ebenfalls Runde 2 erreichen. Was auch gelingt: Alle Gruppen des Goethe-Gymnasiums schaffen es bis in die dritte Runde, gerechnet wird bis um 7:24 Uhr am nächsten Morgen. Schüler wie Lehrer sind völlig im Mathematikrausch!

Die Idee der langen Nacht

Doch nun der Reihe nach. Wie kommt so eine tolle Stimmung, so eine Motivation für Mathematik zustande? Dazu muss man die lange Nacht der Mathematik erklären:

Die lange Nacht der Mathematik ist ein Gruppenwettbewerb für Schülerinnen und Schüler der 5. bis 13. Klassenstufe. In dieser Nacht sind die teilnehmenden Gruppen damit beschäftigt, Mathematik-Aufgaben ›etwas anderer Art‹ zu lösen. Dabei steht der Spaß im Vordergrund. Es gibt Aufgaben für die 5./6., 7./8., 9./10. Klassenstufe sowie die Oberstufe. Die Aufgaben werden in drei Runden bearbeitet. Die Lösungen der ersten und zweiten Runde werden auf der Homepage des Ausrichters eingegeben. Falls die Lösungen falsch eingeben werden, wird der Jahrgang für 10 Minuten gesperrt. Die 3. Runde muss handschriftlich bearbeitet und per E-Mail eingereicht werden.

Startschuss

Um 18:00 Uhr fällt der Startschuss. 13.484 Schüler aus 287 deutschen Schulen im In- und Ausland setzen sich zeitgleich an die Aufgaben. Das Goethe-Gymnasium ist das erste Mal dabei und nimmt mit 97 Schüler und 8 Lehrern an der langen Nacht teil.

Es wird in den Computerräumen und den angrenzenden Klassenräumen gerechnet und geknobelt. Die Klassenräume ein Stockwerk tiefer sollen später als Schlafräume dienen – genutzt werden diese aber erst sehr spät oder gar nicht.

Pizza & Mathe

Um 20:00 Uhr heißt es zunächst: das Buffet ist eröffnet. Das Cafe Goethe hat den Teilnehmern Getränke und einen großzügigen Pizzagutschein gespendet – 30 riesige Pizzen und etliche selbstgemachte Leckereien von hilfsbereiten Eltern sind auf langen Tischen zum Verzehr bereit gestellt. Einige Eltern haben sich freiwillig zur Betreuung des Buffets bereit erklärt. Eine von ihnen, Frau Noeske, erzählt: »Als um 20 Uhr die Pizza geliefert wurde, kam der große Ansturm der Schüler. Ein großes, tolles Gewusel. Und dann waren sie auch genau so schnell wieder weg. Hier und da hörten wir Sprüche wie: ›Dürfen wir jetzt weiterrechnen?‹ Eigentlich hatten wir damit gerechnet, dass die Schüler mehr in der Pausenhalle als bei den Matheaufgaben wären. Waren sie aber nicht. Bei uns war es erstaunlich ruhig.«

Eindrücke

Und Herr Noeske ergänzt: »Ein Besuch in den Räumen zeigte: überall knobelnde Schüler. Eine tolle arbeitsame und begeisterte Atmosphäre. Die Lehrer waren für uns auf den ersten Blick gar nicht zu sehen. Es gab keine ›Aufsicht‹. Wir mussten ganz genau hingucken, um zu erkennen: Die Lehrer waren Teile einiger Gruppen. Sie wirkten eher gleichberechtigt als lehrerhaft. Toll, dass das mit so vielen Schülern so gut funktioniert hat.«

Und wie das funktionierte: Schüler Melis aus der 8a erinnert sich: »Alle haben mitgelitten und mitgefiebert – Schüler wie Lehrer, sogar ein paar Eltern und Großeltern. Wir haben mit den Kleinen und den Großen zusammengearbeitet. Wir haben den Kleinen geholfen, die Großen haben uns geholfen. Bei falschen Ergebnissen konnte man es nicht fassen – und wenn ein Ergebnis richtig war, dann flippten alle vor Freude aus.«

Heut wird durchgemathet

Selbst um 4 Uhr morgens sitzen noch fitte Schüler/innen und Lehrer/innen an den Tischen und knobeln. Die ganz Harten schlafen bis morgens nicht eine Minute.

Rund ein Drittel aller teilnehmenden Gruppen schafft es in die 3. Runde – darunter alle Gruppen des Goethe-Gymnasiums! Und auch wegen des großen Engagements noch spät nachts erreichen die Jahrgänge hervorragende Ergebnisse in ihrer altersgemäßen Rangliste:
Die Oberstufe: 42. Platz, Klasse 9/10: 38. Platz, Klasse 7/8: 47. Platz, Klasse 5/6: 64. Platz.

Unser Ergebnis

Aber nicht die Platzierungen selbst, vielmehr das Event an sich wird den Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Was diese Fazits stellvertretend verdeutlichen:

»Die Mathenacht war supertoll, weil auch Alltagsaufgaben dabei waren, bei denen mehr die Logik als das Mathekönnen gefragt waren« (Sophie, Klasse 8a)

»Ich fand die Mathenacht super, weil Lehrer mitgeholfen haben und man essen durfte. Ich würde noch mal mitmachen!« (Laila, 5a)

»Die Aufgaben waren sehr schwer, aber wir haben alle Runden geschafft – es hat Spaß gemacht!« (Lucas, 5a)

»Ich glaube, wir haben die Lehrer letzte Nacht an ihre Grenzen gebracht«, sagt Tobias (8b) am nächsten Morgen müde, aber mit einem glücklich, stolzen Grinsen.

»Wir fordern ja viel von den Schülern. Diese Mathenacht hat mal wieder gezeigt, dass auch die Lehrer bereit sind, viel zu geben. Wir sind uns sicher: Dies war für alle eine prägende Nacht.« (Familie Noeske)

Die Lösung: Wiederholen

Ja, das stimmt, die Nacht war prägend und anstrengend, vor allem aber unglaublich bereichernd – und das Goethe-Gymnasium freut sich schon jetzt auf den November 2013, wenn es wieder heißt: »5 – 4 – 3 – 2 – 1 …«